Es taut. Die politischen Beziehungen zwischen Nord- und Südkorea scheinen so gut zu sein, wie schon lange nicht mehr. Als Auslöser für ein mögliches Ende der Eiszeit fungieren ausgerechnet die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang. Zwar wirft der Süden dem diktatorisch regierten Norden vor, das Großereignis zu reinen Selbstzwecken zu missbrauchen und die Ehrlichkeit der Annäherung kann nicht bestätigt werden. Tritt allerdings tatsächlich eine nachhaltige Verbesserung der Erzfeindschaft ein, hätte der zum gigantomanischen Event verkommene Mythos Olympia wieder ein Stück weit in seine Position als Friedensstifter zurückgefunden.

Aus sportlicher Sicht sind die Errungenschaften der nordkoreanischen Einbindung in die Pyeongchang-Spiele erwartungsgemäß nicht sonderlich zu bemerken gewesen. Das gemeinsame „Team Korea“ im Damen-Eishockey war ohne Chance. Mit nur einem erzielten Tor und 20 Gegentreffern beendete man Gruppe B auf dem letzten Platz. Eine 1:6-Niederlage gegen Schweden im Spiel um Rang sieben besiegelte den achten Platz unter acht Nationen. Wie geht es mit dieser Mannschaft nun weiter? Bei Olympischen Spielen dürfte es in absehbarer Zeit keinen Auftritt des Teams mehr geben. Das liegt aber vor allem daran, dass eine Qualifikation ohne Gastgeber-Status und nur auf sportlichem Wege völlig außer Reichweite liegt. Der Eishockey-Weltverband zeigt sich jedenfalls bemüht, den in dieser Hinsicht eingeschlagenen Weg beizubehalten. Fakt ist allerdings, dass der gemeinsame Auftritt Nord- und Südkoreas in einer Mannschaft fast ausschließlich einen symbolischen Charakter hatte.

Eine fast militärische Inszenierung waren die Auftritte der nordkoreanischen Cheerleaderinnen, die einige Wettkämpfe besuchten. Mit der Flagge der Wiedervereinigung, die die Silhouette der koreanischen Halbinsel abbildet, aber auch mit der eigenen nordkoreanischen Fahne waren die Unterstützerinnen bei ihren martialischen Darbietungen ausgerüstet. Das Eiskunstlauf-Paar Ryom Tae Ok/Kim Ju Sik schaffte es nicht zuletzt aufgrund der frenetischen Anfeuerungen ihrer Landsfrauen auf Rang 13 und sorgte damit für Nordkorea aus sportlicher Sicht wohl für das Highlight des Großereignisses. Bleibt zu hoffen, dass die Teilnahme des von Machthaber Kim Jong-un geführten kommunistischen Regimes nicht nur reine Selbstinszenierung war, sondern auch als Tauwetter gegen den seit Jahrzehnten andauernden politischen Permafrost genutzt werden kann.

 

YOM Tae Ok / KIM Ju Sik

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