400 Meter Höllenqualen

Reißerische Überschrift? Nein! Beim Red Bull 400 ist der Slogan Programm. Es sind tatsächlich die härtesten 400 Meter der Welt. Wir wollten es selbst nicht so recht glauben und haben deshalb Matthias in die Schlacht geschickt, um die Schmerzen am eigenen Leib nachzuempfinden.
Von Schmerzen erzählen alleine reicht nicht! Ich wollte sehen, wie qualvoll das ist, sonst glaubt mir ja am Ende des Tages keiner, dass das wirklich weh tut. Lange Rede kurzer Sinn: Ein Anruf bei Suunto hat gereicht, um sie davon zu überzeugen, mit uns die Daten dieser Tortur einzufangen und auszuwerten.
Ich habe den Red Bull 400 davor schon einige Male im TV mitverfolgt und muss gestehen, dass das Ganze eigentlich gar nicht so steil aussieht…zumindest vor dem eigenen TV Gerät.
Als wir in Bischofshofen ankamen und ich dieses Monstrum von Schanze erstmals in natura gesehen habe, musste ich mir eingestehen, dass die virtuelle Realität des Fernsehens ein verzerrtes Bild wiedergibt. Es war einfach nur sausteil.
Schön langsam wurde mir bewusst, warum diese 400 Meter hier so ewig dauern.

Die Jungs von Suunto warteten schon, um mich mit der Spartan Sport HR auszurüsten. Einer Uhr, die nicht nur den Puls am Handgelenk misst, sondern gleichzeitig auch die GPS-Daten, Höhenmeter und viele andere Messwerte aufzeichnet. Das optimale Gerät also, um zu beweisen, dass das Ganze hier kein Kindergeburtstag ist.  Wer selbst mitlaufen will, dem empfehle ich gute Laufschuhe mit Gummisohlen, die Grip bieten. Am besten welche die leicht sind, denn eines kann ich dir versichern – hier schmerzt jedes Gramm, das du mitschleppen musst, doppelt und dreifach.
Noch eine Stunde bis zum Start. Die Schuhe fest zugeschnürt, Pulsuhr angelegt und bereit für’s Warm Up auf der Schanze. Die ersten 40 Meter bin ich ungefähr 10 Mal hinaufgelaufen, bis ich die für mich schnellste Technik heraushatte. Die für mich schnellste heißt allerdings nicht die richtige – wie sich später herausstellte. Schweißgebadet entschied ich mich, die restliche Zeit bis zum Start doch lieber im Schatten zu verbringen und Energie zu sparen. 

Zwei Minuten bis zum Start. Die Suunto Spartan zeichnete bereits auf, und ich war doch überrascht, dass ich bei 100 Puls startete, ohne mich einen Meter bewegt zu haben – und ich hatte gedacht, ich wäre abgebrüht und nicht nervös! So viel dazu.
Startschuss – auf gehts. Wenige Meter direkt neben mir startete Philip Platzer, Profi und Tagessieger. Ich dachte mir, bei dem kann ich mir etwas abschauen und heftete mich an seine Fersen, zumindest für die ersten 50 Meter. Der Typ ist schnell, das ist unglaublich! Was mich allerdings an dem Punkt überraschte war, dass er ziemlich früh auf allen Vieren ging. Wenige Sekunden später wurde mir auch bewusst warum: Man erkennt es von unten nicht, aber der Hang wird immer steiler und unmöglich zum Laufen. Das war also der Moment, an dem ich merkte, dass meine Vorbereitung vollkommen sinnlos war. Ein erster Blick auf die Uhr verriet: Puls 180, ich hatte noch nichtmal die Hälfte und hätte gefühlt schon kotzen können. Wem ist sowas nur eingefallen!

Soweit ich mich erinnern konnte, lag mein Maximalpuls vor ein paar Jahren noch bei 196. Der müsste jetzt nach Adam Riese ein paar Schläge drunter liegen, denn wir wissen ja: In der Regel sinkt der Maximalpuls pro Lebensjahr um einen Schlag pro Minute. 300 Meter waren geschafft und mussten vergehen, bis ich wieder einen Blick auf die Hightechuhr warf und feststellen musste, das Adam Riese keine Ahnung hatte. 198 stand am Display, und ich bin sicher, dass das der Realität und den Schmerzen entsprach. Mittlerweile verlagerte sich auch das Kotzgefühl in Richtung Lunge. Das Laktat stand mir bis zu den Ohren, aber ich hielt mich ganz gut und beendete mein Rennen auf dem 13. Platz. Aus dem Zielhaus hinausgetaumelt habe ich mich direkt auf den Boden fallen lassen.

Meine Beine wollten mich keinen Meter weiter tragen. Gut 15 Minuten hat es gedauert, bis ich mich wieder erheben konnte und selbst zu glauben begann, dass ich es aus eigener Kraft den Berg hinunter schaffen würde. Ein Blick auf die finnische Uhr: Puls 145. Ich konnte es nicht glauben, aber mein Körper war ganz offensichtlich schockiert von dem, was ich ihm angetan hatte. Der Puls hatte sich auch 30 Minuten später noch nicht wesentlich verändert, als ich die Suunto Spartan HR wieder retourniert habe. Im Nachhinein betrachtet ein richtig geiles Event, weil man in guten 5 Minuten an seine Grenzen stößt und sich so richtig spürt. Wer dem Alltag entfliehen will, sollte sich nächstes Jahr mal da rauf quälen…

By | 2018-09-01T18:18:59+00:00 September 1st, 2018|Allgemein|0 Comments

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