WELTMEISTER.

Sie haben es geschafft! Die österreichischen Hockeyherren und mittendrin Michael Körper haben den Weltmeistertitel in der Halle erobert, und das, obwohl meistens noch immer Erklärungsbedarf herrscht, wenn sie gefragt werden, welchen Sport sie denn eigentlich ausüben. 

Hallenhockeyweltmeister! Klingt doch gut… Wo ist da jetzt der Unterschied zum Landhockey?! 

Landhockey spielen wir draussen am Feld auf Kunstrasen mit elf Spielern. Zusätzliche fünf sind auf der Bank, und die kann man jederzeit ein- und auswechseln. Der Unterschied ist sehr gut vergleichbar mit dem vom Hallenfußball zum Feldfußball. Vor ein paar Wochen sind wir erst Europameister geworden, und jetzt dürfen wir uns Weltmeister nennen, was einfach ein Wahnsinn ist. Unbeschreiblich! 


Ich als Laie würde jetzt vermuten, dass sich daraufhin drei Dinge bei euch verändert haben: Das Bankkonto, die Medienpräsenz und Tinder. Was stimmt davon?

Tinder habe und brauche ich nicht (lacht). Bin glücklich in einer Beziehung. Das Bankkonto hat sich leider nicht gefüllt, nachdem wir ja in dem Sinn keine Profisportler sind. Ganz im Gegenteil: Durch das Feiern des WM-Titels wurde es eher magerer. Die Medienpräsenz, die wir derzeit bekommen, ist dafür ein Wahnsinn. Wir waren in jeder Zeitung groß gefeatured. Wirklich groß – nicht so Seitenränderartikel, wie wir es sonst gewohnt sind. In der Social Media Welt tut sich einiges, und wir wurden sogar in den Hangar 7 zum Sport und Talk eingeladen – das gab es in der Form noch nie. Ein Meilenstein für Hockey in Österreich. Also was da in den letzten Wochen alles passierte, ist unglaublich.

Du bist ja der absolute Goalgetter der Nationalmannschaft und auch schon sehr früh nach Deutschland gegangen. Wie war das damals? Hat man dich geholt oder hast du diesen Schritt „alleine“ gewagt?

Nach Deutschland zu gehen war natürlich immer schon ein großer Wunsch – aber wünschen kann man sich viel. Wenn ich beispielsweise im Fußball zu Real Madrid möchte, funktioniert das auch nicht so einfach. Ich hatte das Glück, dass fünf Vereine um mich geworben und mir in weiterer Folge Angebote unterbreitet haben. Hinzu kam noch, dass unser damaliger Nationaltrainer aufgehört hat, zu einem Club nach München gewechselt ist und Mateusz Szymczyk, Benni Stanzl und mich gleich mitgenommen hat. So ist der Startsprung nach Deutschland gut gelungen. Den Trainer zu kennen und sich nicht auf totales Neuland vorzuwagen war eine große Hilfe. Benni wechselte ein halbes Jahr später nach Hamburg, und 2010 ging es für mich ebenfalls in die Hansestadt. 

Nach beinahe elf Jahren in Deutschland…was sind die größten Unterschiede zur Vereinsarbeit und zum Sport in Österreich?

In erster Linie ist Hockey bei unseren Nachbarn viel größer, weil Hockey Deutschland regelmäßig bei Olympia ist. Dadurch fallen die Vereine automatisch in andere Fördertöpfe. Bei uns in Österreich setzt man gefühlt mehr Wert auf Einzelsport, das ist in Deutschland definitiv anders. Dementsprechend gibt es andere Trainingsbedingungen, wodurch auch die Anzahl der Spieler viel größer ist. Der Stellenwert ist einfach eine andere Liga. Wenn du in Österreich jemandem erzählst, dass du Hockey spielst, dann fragen sie dich zuerst einmal, ob Eishockey. In Deutschland wissen die meisten, wovon dabei die Rede ist. Vor allem in Hamburg ist Hockey groß. 


Auf Vereinsebene kann man es trotzdem ein bisschen mit Hockey in Österreich vergleichen. Da lebt es von vielen ehemaligen Spielern und Funktionären, die mittlerweile in größeren Firmen arbeiten oder selbst Unternehmer sind und dem Sport sehr viel zurück geben. Zusätzlich gibt es im Verein Förderungen, die direkt an die Spieler gehen, was einen natürlich pusht. Dadurch wird es semiprofessionell, und bei Transfers werden Wohnungen angeboten, ein Taschengeld vereinbart und vieles mehr. Das hält sich im Vergleich zum Fußball natürlich in einem kleinen Rahmen. Ausserdem wird einem von Vereinsseite bei der Job- bzw. Studienplatzsuche geholfen, denn das Netzwerk in so einem Verein ist riesig. 

Warum seid ihr in der Halle so gut und am Feld noch hinter der Weltspitze? 

Da fehlt es bei uns einfach an der Breite. Wir benötigen in der Halle weniger Positionen -und die können wir top besetzen. Wir haben rund 15 Spieler auf höchstem Niveau, die prinzipiell jeden ersetzen könnten. Am Feld ist es nochmal athletischer und schneller, und da haben die Top-Nationen wie England, Holland, Belgien oder Deutschland dermaßen viele Vorbereitungsmöglichkeiten, dass durchgehend trainiert werden kann. In solchen Ländern trifft sich die Nationalmannschaft zwei- bis dreimal pro Woche zusätzlich zum Vereinstraining. Im Abstand von drei, vier Wochen werden dann ausserdem gemeinsame Trainingslehrgänge abgehalten. Solche Maßnahmen gibt es in Österreich leider noch nicht. Vielleicht ändert sich jetzt etwas, aber dafür braucht man definitiv eine andere finanzielle Basis. Von Können und Talent her bin ich sicher, dass wir die Möglichkeiten hätten, aber um durchgehend auf einem so hohen Niveau zu spielen, muss auf anderen Ebenen was weitergehen. Wir haben auch bei der A-Pool WM am Feld gezeigt, dass wir schon jetzt ein Unentschieden gegen Gegner wie Spanien herausholen können. 

Wo siehst du den größten Unterschied zwischen Hockey und anderen Sportarten – auch was beispielsweise den Charakter der Spieler betrifft? 

Hockey ist sehr familiär. Die meisten Spieler kenne ich seit meiner Kindheit und den Anfängen im Hockey. Wir spielen schon ewig zusammen, feiern gemeinsam Erfolge und jeder kennt jeden. Wenn wir zur Nationalmannschaft einberufen werden, dann ist das wie ein kleines Familientreffen, auf dem man wieder alle Hawara sieht, du hast einen Spaß, der Schmäh rennt sofort und neueste Gerüchte werden ausgetauscht. Das macht Hockey Österreich aus. 

Das Wichtigste, das du vom Landhockey auch für das Leben nach der Karriere mitnehmen kannst?

Ehrgeiz – nie aufzugeben, und dabei ganz besonders wichtig: Vertrauen in andere zu haben. Das Mannschftsdienliche wird einem auch sicher im Berufs- und Privatleben viel weiterhelfen. Mit Leuten zusammenzuarbeiten, denen man vertrauen kann und vertrauen muss. 

Also würdest du Eltern raten, ihre Kinder zum Hockey zu schicken?

Definitiv! Ich hatte jetzt selbst einige Vorstellungsgespräche, und in der Regel fahren die auf Sportler und dann noch besonnters auf Mannschaftssportler voll ab. 

Ich will jetzt keine Sportart schlechter machen als Hockey, aber beim Tennis bist du vielleicht mit ein paar Leuten zusammen, mit denen du trainierst, aber beim Hockey kommst du alleine durch den Verein mit mindestens zehn Spielern in deiner Altersklasse regelmäßig in Kontakt. Dass du nicht mit allen gut kannst, kann sein, weil verschiedenste Charaktere dabei sind. Manche Vereine fassen Altersgruppen übergreifend über 500 Leute. Das ist ein Topnetzwerk. 

Wie geht es jetzt weiter bei euch? (Tag des Interviews kurz nach der WM) 

Wir gehen jetzt Party machen und du kommst mit. So schaut’s aus. 

 

PHOTOCREDITS: kcp-photography, World Sport Pics / Frank Uijlenbroek

By | 2018-08-29T11:03:00+00:00 August 29th, 2018|Allgemein|0 Comments

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