Gerald Steger ist CEO von café+co, betreibt – Unterbrechungen mit eingerechnet – seit mehr als 40 Jahren Judo und engagiert sich im österreichischen Sport. Für ihn ist Sport nicht nur ein entscheidender Faktor für die Gesundheit, sondern auch für den Erfolg in der Karriere.

Die obligatorische Frage an Sie: Wie viel Kaffee trinkt man pro Tag als CEO von café+co?
Zwischen 5 und 10 und meistens Espressi. Bei mir geht es da aber nicht nur um den belebenden Effekt, sondern auch um ein Kultur- und Geschmacksritual. Um in der Früh in Schwung zu kommen ist jedoch mein Morgensportprogramm ebenso wichtig wie ein guter Kaffee.

Sie machen jeden Tag in der Früh Sport?
Wenn ich es nicht mache, dann brauche ich noch mehr Kaffee – also ein klares Ja (lacht). Ich habe ein einfaches Programm, das man in jedem Hotelzimmer machen kann, und meine „Blackroll“ habe ich auch auf meinen Reisen fast immer dabei.

Wie sieht da der morgendliche Sport bei Ihnen aus?
Das variiert. An einem Tag stehen Liegestütz und Situps im Vordergrund, am darauffolgenden Tag sind es beispielsweise einbeinige Kniebeugen und Klimmzüge an meiner Sprossenwand. In Hotels muss man bei den Klimmzügen oft auf den Türrahmen ausweichen (lacht). Jede Übung bekommt 5 Durchgänge. Im Aufwärmprogramm sind, sofern genug Platz vorhanden und der Teppich weich genug ist, auch Judorollen fest verankert. Die machen richtig munter und fast ein wenig „süchtig“.

Wie viele Stunden hat Ihr Tag?
Je nach Schlafdefizit stehe ich meistens gegen 6:30 Uhr auf, bzw. wenn eine Geschäftsreise auf dem Terminplan steht, auch schon zwei Stunden früher. Ich versuche allerdings darauf zu achten, gegen Mitternacht im Bett zu sein, auch wenn das nicht immer gelingt.

Viele jammern ja, dass sie keine Zeit für Sport haben und das Leben viel zu stressig ist.
Das Programm, das ich jeden Tag absolviere, ist in gut 20 Minuten erledigt. Danach ist man dann so hellwach, dass man die Zeit durch die gesteigerte Produktivität locker wieder aufholt. Natürlich: Wenn ich jeden Tag eine Stunde laufen würde, wäre das etwas anderes. Um 5:30 Uhr statt um 6:30 Uhr aufzustehen macht für mich schon einen großen Unterschied.

Wie oft geht sich bei Ihnen eine lange Judoeinheit aus?
Einmal in der Woche sollte sich dafür auf jeden Fall Zeit finden. Ich habe glücklicherweise die Möglichkeit, bei vielen Vereinen vorbeischauen zu können. Sogar in Moskau hätte ich eine Möglichkeit. Bisher haben die Meetings in Moskau allerdings leider zu lange gedauert.

Im selben Club, in dem auch Vladimir Putin trainiert?
Nein, soweit ich weiß trainiert er in St. Petersburg.

Das heißt, Sie können Ihr Judo-Training praktisch weltweit einplanen?
Judo hat in den BRICS-Staaten und in Osteuropa so eine Verbreitung wie bei uns das Skifahren. Es gibt auch viele Sportarten, die dem Judo sehr ähnlich sind, wie zum Beispiel Brasilian Jiu Jitsu oder diverse Ringarten wie das russische Sambo. In Österreich ist Judo leider ein Randsport. Ein Phänomen daher, dass Österreich in der Vergangenheit so viele Olympiamedaillen im Judo erkämpfen konnte. Wenn man im Judo die Kosten pro Medaille kalkuliert, ist das eine sehr rentable Rechnung.

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Gerald Steger – CEO von café+co und Judoka aus Leidenschaft

Warum Sport?
Sport den man von Jugend an betreibt, hilft im späteren Leben. Es ist eine Fähigkeit, die einem niemand nehmen kann. Sport ist vergleichbar mit der Fähigkeit ein Musikinstrument zu spielen. Diese Fähigkeiten kommen Menschen immer zu Gute, z.B. auch in Extrem-Situationen wie in einem Flüchtlingscamp. Niemand weiß es mit Sicherheit, aber vielleicht müssen auch wir einmal flüchten, deinen Sport wirst du jedenfalls mitnehmen können.
Sport eignet sich gut zum Aggressions-Abbau und kann auch vor Verletzungen im Alter schützen. Wir müssen generell wieder mehr Begeisterung für Sport schaffen. Dann kommen auch die Medaillen.
Für mich ist das Judo-Training eine gute Möglichkeit zum Abschalten. Sobald ich auf Matte steige muss der Kopf von Firma auf Training umschalten, weil es sonst gefährlich werden kann. Wenn ich joggen gehe, ist das fast zu 100% Arbeitszeit, weil ich dauernd an den Job denke und dabei natürlich gleichzeitig Probleme löse. Diesen Kreislauf zumindest einmal pro Woche zu durchbrechen, ist für mich sehr wichtig.

Was war die wichtigste Lektion, die Sie der Sport gelehrt hat?
Wieder vom Boden aufzustehen. Die klassische Judolektion.

Wie sehen Sie das Sportsystem allgemein in Österreich?
Man darf nicht alles in einen Topf werfen, weil ein Großteil des Sports in Österreich ehrenamtlich getragen wird. Wenn man alles was da an Zeit aufgewendet wird mit Angestellten-Gehältern bezahlen müsste, wäre es für den österreichischen Sport das Todesurteil. Der Sport lebt vom Freizeitengagement der vielen Funktionäre, Trainer und Eltern. Ob sich ein Leistungssportler entwickeln kann, entscheiden ja auch die Eltern. Sie müssen die Kinder zum Training bringen, abholen und allgemein sehr viel Zeit für den Sport investieren. Das ist schon ein hoher Einsatz für eine sehr kleine Wahrscheinlichkeit, dass das Kind den Durchbruch schafft. Diese Eltern eröffnen ihren Kindern da eine Möglichkeit, die es später nicht mehr gibt, denn das Zeitfenster, um Leistungssportler zu werden, ist relativ begrenzt.
Will man im Sport alles reformieren, muss man sehr darauf achten, nicht diejenigen zu vergraulen, die so viel Einsatz für keine Entlohnung bringen. Mit großen Geldschüben wird man nicht rechnen können, daher benötigt der österreichische Sport ein Effizienzsteigerungsprogramm. Solche Maßnahmen führen allerdings häufig auch zu zusätzlichen Problemen während der Umstrukturierungs-Phase, was bedeutet, dass es oft schlechter werden kann, bevor Besserung eintritt. Ich glaube, es besteht derzeit weitreichender Konsens, dass sich vieles ändern und man die Basis verbreitern muss. Wenn wir insgesamt nur eine Medaillenhoffnung haben und den ganzen Druck auf diese Person aufladen, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass es klappt, noch geringer. Man muss daher schaffen, dem Sport besonders in den Schulen und bei jüngeren Generationen wieder zu mehr Ansehen zu verhelfen. Sport sollte einfach ein wesentlicher Teil der Schulausbildung und der Erziehung sein. Den Stellenwert des Sports nachhaltig zu steigern ist aber ein langer Prozess.
Als ich vor 40 Jahren mit dem Judo begonnen habe, war es selbstverständlich, dass gewisse sportliche Grundfertigkeiten wie Kopfstand, Handstand oder Purzelbaum bereits vom normalen Turnunterricht zumindest ansatzweise mitgebracht wurden. Das ist heute leider immer seltener der Fall.

Wäre Ihre Karriere anders verlaufen, wenn Sie nie Sport gemacht hätten?
Diese Frage kann ich nicht beantworten, da ich mir glücklicherweise ein Leben ohne Bewegung nie vorstellen musste. Ich bin auf einem Bergbauernhof aufgewachsen und hatte jeden Tag einen Schulweg von 14 km – damit war für Bewegung gesorgt. Also wir mussten damals nicht für Bewegung begeistert werden, das gehörte einfach dazu. Zum Glück hatten wir Sportlehrer in der Schule, die uns auch regelmäßig zu Wettbewerben geschickt haben.

Was würden Sie einem jungen Menschen sportlich gesehen raten, der sagt, ich will mal etwas in der Wirtschaft erreichen?
Das Wichtigste ist, dass er oder sie den Sport immer als Ausgleich plant, denn der Beruf ist fordernd genug. Ausgenommen natürlich man macht Sport zu seinem Hauptberuf mit der Chance auf ein unmittelbar daran anschließendes Geschäftsmodell. Nebenbei auf eine Olympiamedaille hin zu trainieren ist unrealistisch. Wenn jemand im Beruf ganz nach oben kommen will, dann muss er oder sie den Beruf als Leistungssport betrachten.
Solange man noch nicht im Berufsalltag steht, kann man Sport auch dazu nützen, die eigenen Grenzen auszuloten und zu sehen, dass es nach der gefühlten Grenze meistens immer noch weiter geht. Das sind Erfahrungen, die viel zusätzliches Selbstvertrauen geben können.
Außerdem halte ich es für sinnvoll zumindest ein-, zweimal pro Woche etwas machen, das im Vergleich zum Alltag komplett anders ist. Etwas, wo man mit ganz unterschiedlichen Menschen zusammenkommt, damit man auch aus den gewohnten Cliquen herauskommt. Wenn man sieben Tage die Woche arbeitet, trifft man ja mit niemandem außerhalb der geschäftlichen Kontakte mehr zusammen und lebt fast abgeschottet in dieser Welt. Deshalb kann es auch sehr wertvoll sein, einen Sport zu betreiben, bei dem es keine finanziellen Barrieren gibt. Damit bietet der Sport einen guten Spiegel der Gesellschaft, mit Menschen aus unterschiedlichsten Lebens-Situationen. Da lernt man oft mehr als aus einer Meinungsforschung. Ich sehe Sport neben dem Arbeitsplatz als wichtigste Integrations-Plattform mit sehr großem Wert für den Zusammenhalt der Gesellschaft.

Ist bedingungslos harte Arbeit also der Weg auf den Olymp der Berufswelt?
Auch das Kämpfen, um an die Spitze zu kommen, soll Spaß machen! Ist das nicht der Fall, dann war es verlorene Zeit. Sein Leben einer Tätigkeit zu widmen, bei der die Wahrscheinlichkeit bei vielleicht einem Prozent liegt, es an die Spitze zu schaffen, ohne dabei Spaß zu haben, wäre aus meiner Sicht ein Fehler.
Es gibt keine Garantie für eine Bilderbuchkarriere oder die Olympiamedaille. Der Weg ist das Ziel.

Wichtige Frage zum Abschluss, mit der ich bei Ihnen bestimmt an der richtigen Adresse bin: Ist Kaffee gesund?
Es gibt eine Vielzahl von Studien, die dem Kaffee eine gesunde Wirkung nachsagen. Wie bei allem hängt das von der individuellen Dosis ab. Neben Koffein enthält Kaffee eine hohe Menge verschiedenster Antioxidantien. Kaffee besteht jedoch zu 98% aus Wasser, weshalb der Wasser-Qualität eine derartig wichtige Rolle zukommt. Das wichtigste beim Kaffee sind aber Genuss und Kommunikation. Kaffee ist bei uns so etwas wie die „Friedenspfeife des 21. Jahrhunderts“

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