Gym oder Entertainment-Center? Nach einem Besuch in Pürzels heiligen Hallen sind wir uns nicht mehr ganz sicher, welcher Begriff eher zutrifft. Man kommt aus dem Staunen gar nicht mehr heraus und den Kunden geht es da offensichtlich nicht anders. Der Andrang, der bei den Kursen und im „Gym“ herrscht, ist kaum verwunderlich.

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Wir stehen bei euch im Gym und denken uns einfach nur: WTF?! Wie hat diese Geschichte angefangen?
Unsere Mama hat uns das erste Mal ins Gym geführt. Als Turnlehrerin hat sie damals mit ihren Schülern einen Ausflug ins lokale Fitnesscenter unternommen. Da einer von uns (Alex) ein auf gut Deutsch „ausgfressenes Ar***loch“ war, dachte sich Mama: „Der Hawara kriagt nie a Oide, der braucht a Astl“. So sind wir mit 15 bzw. 13 Jahren zu unserem ersten Pump gekommen, der bis heute anhält. Es dauerte ein Jahr, bis Alex sein Übungsrepertoire von „Latziagn“ und Crunches und Andi von Scott Curls auf weitere Übungen erweiterten. Da einer von uns das vorhin erläuterte „ausgfressene Ar***loch“ und der andere das absolute Gegenteil (Spitzname: „Dünnsau“) war, hatten wir beide unsere Komplexe, die wir akribisch bekämpften. Innerhalb von zwei Jahren fand ein Rollentausch statt. Somit hatte unsere Mama weiterhin dasselbe Problem, nur eben vertauscht. Andi erhöhte seinen BMI mit hingabevoller Leidenschaft auf 35. Alex führte täglich 500 Crunches durch und kam seinem damaligen Ziel „John Rambo Teil 2 – Der Auftrag“ sehr nahe.

„Er traf damit den Puls der Zeit und den Wunsch der breiten Masse nach mehr Breite und Masse “

Wie seid ihr dann dazu gekommen, euer Wissen an andere weiterzugeben?
Nach einigen Trainerausbildungen, viel Selbststudium und vielen Trainingserfahrungen unterrichteten wir für diverse Ausbildungsinstitutionen. Angefuckt von Schwäche und Atrophie der gesamten Ausbildungsumgebung war Andi sehr schnell der Überzeugung, das Architekturstudium hinter sich zu lassen und es besser zu machen. Er begann in seiner damaligen Arbeit als Trainer, Outdoortrainings zu organisieren. Er traf damit den Puls der Zeit und den Wunsch der breiten Masse nach mehr Breite und Masse. Zusätzlich dazu bot er Workshops im Bereich Trainingsplanung an. Mit bescheidenen Mitteln, aber umso mehr Know-how erreichte er sehr schnell ein großes Publikum. Nach wenigen Kursen holte er Alex mit ins Boot.

Ihr nehmt euch definitiv kein Blatt vor den Mund. Der Weg zum Erfolg?
Authentizität ist absolut notwendig, um auf Dauer bestehen zu können. Besser unangenehme Dinge schnell ansprechen und direkt formulieren, als es später unnötig schwer zu haben. Alex hat dies in seinem (Neben-) Job als Lehrer gelernt und Andi durch seine tägliche Auseinandersetzung mit Nahrungsmittelvertretern, welche ihm Bullshit andrehen wollten und ihm erklärten, dass ihm zum Erfolg eigentlich nur noch eine Aloe-Vera-Chiasamen-Koenzym-A-Kombitablette fehlt. Und das, obwohl er bereits einen 50er-Oberarm aufwies. Im Gym ist es ebenfalls wichtig, den Leuten direkt zu sagen, was Sache ist. Die Athleten sind deine Aushängeschilder. Wenn diese richtig und viel heben, bist du ebenfalls erfolgreich. Beugen sie mit Pussy-Pad fünf Zentimeter weit nach unten und haben statt Beinen Gehfäden, hast du versagt. Das wollen wir nicht. Versagen ist Dreck. Wir reden nicht unseren Athleten nach dem Mund, um ihr Wohlwollen zu ergattern und prostituieren uns dann damit, sondern sagen ihnen, was sie zu tun haben, um ihr Ziel zu erreichen. Und wenn sie das nicht tun, dann zur Hölle mit ihnen.

Credits: www.christopherkelemen.com

Habt ihr am Anfang auch schon so direkt kommuniziert?
Wie gesagt, wir mussten uns das erarbeiten. Unangenehmes aufzuschieben, macht es nicht angenehmer – im Gegenteil. Das lernt man mit der Zeit. Trotzdem ist Achtung und Wertschätzung dem anderen gegenüber angebracht. Das alte Sprichwort, dass man andere so behandeln sollte, wie man selbst gern behandelt wird, wird bei uns im Gym großgeschrieben.

Schon mal überlegt, diese heilige Halle hier als einen Stützpunkt für Leistungssportler zu deklarieren?
Unser Gym ist bereits die Heimat der ostösterreichischen Kraftdreikampf-Szene. Hier trainieren wahrscheinlich mehr österreichische Rekordhalter als in jedem anderen österreichischen Gym. Das motiviert und macht uns alle noch stärker. Besser wirst du nur unter Besseren. Hier ist jeder willkommen. Anzahn sollte er halt. Auch sie. Gendern, verstehst?

Was ist das Besondere an eurem Gym?
Wir bieten die besten „Werkzeuge“ für die Ziele Kraftaufbau und besser aussehen. Das allein könnte jedoch jeder bringen. Erst die Kombination aus einer Bibliothek, bestehend aus Fachbüchern, einer Fotokabine für Vorher-Nachher-Bilder, einer Kinoleinwand, auf der ein Typ mit 60er-Astl andere Spaghettis fertig macht, der Möglichkeit, mit 135 Dezibel motivierende Ansprachen von Arnold abzuspielen, selbst mit Liebe kreierten Speisen, einem Museum über Kraftsport und Mitgliedern, die täglich alles geben um besser zu werden und letztendlich Klimmzugstangen in den Duschen machen diese Halle zu einem unnachahmlichen Paradies für körperlichen und geistigen Erfolg. Was uns besonders freut, ist, dass hier keiner ausgeschlossen wird, über den vielleicht ansonsten geschmunzelt würde. Blad – wuascht; dünn – wuascht; schiach – komplett wuascht; Bart – geil; ohne Bart – najo, aber trotztdem ok; Freaks – willkommen; schöne Menschen – auch gern gesehen; Österreicher – gut; Afghane – gut; Westgote – gut. Ohne diese Toleranz würde dieses Studio nicht so funktionieren. Natürlich müssen wir uns in dieser Hinsicht immer wieder auch selbst kontrollieren und beobachten. Das muss gelernt und ständig trainiert werden. Ist wie das Astl. Je größer es wird, desto mehr musst du dran arbeiten. Man könnte sagen, intolerante Trotteln haben kleine Barbarazweige als Arme. Trainieren beides nicht. Deppen.

Credits: www.christopherkelemen.com

Eine weitere Besonderheit ist, dass wir niemanden „falsch“ trainieren lassen. Auch wenn die Leute kein Privattraining nehmen, so blicken wir doch ständig herum und kontrollieren sie. Wie gesagt, sie sind unsere Aushängeschilder. Ein Blick zu uns reicht. Diese Leistungen sieht man in sonst fast keinem Gym. Die Leistungen unterstützen wir mit dem besten Equipment, das es gibt. Wir haben allein 45 Eleiko-Hantelstangen und elf Tonnen Eleiko-Scheiben. Any questions? Und wenn doch jemand etwas vermisst, das wir nicht haben, dann besorgen wir es. Es sei denn, es ist irgendwas, das keine Sau braucht – wie zum Beispiel eine Vibrationsplatte oder eine Körperfettwaage um 100.000 Euro. Ja, das kaufen wirklich Leute! Nur damit blade Leute es amtlich haben, dass sie blad sind. Wir gehen nach der alten Methode: If it jiggles, it’s fat. Kostet nix. 100.000 Euro gespart, verstehst?

Hat schon mal Arnie oder Stallone vorbeigeschaut bei euch?
Noch nicht, aber wir schmieden Pläne, um zumindest einen der beiden Götter einladen zu können.

Was ist euer Plan und Traum für die Zukunft mit dem Studio?
Unser Gym ist so konzipiert, dass es ständig und selbständig wächst. Viele unserer Trainer – so wie wir selbst auch – schlafen bzw. wohnen hier. Da wir keine anderen Hobbys haben, investieren wir unser Budget immer wieder in unser zuhause. Im Gym befindet sich ein Briefkasten, der als Feedbackbox verwendet wird.

Für euch der geilste Muskel zum Trainieren?
Andi: Astl und Nacken.
Alex: Astl und Nacken – auch der Popsch.

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Was vernachlässigen eure Kunden am ehesten?
Unsere Kunden vernachlässigen nichts. Eventuell Cardiotraining. Deswegen haben wir unsere Garderoben im ersten Stock eingeplant. Dadurch bekommen sie auch den notwendigen Reiz fürs kardiovaskuläre System.

Bei euch kann man ja auch Autos demolieren und mal richtig die Sau rauslassen. Habt ihr dafür in Zukunft für eure Kunden schon neue Sachen geplant?
Unsere Outdoortrainings. Da kann man alle möglichen Dinge mit Vorschlaghämmern zusammenschlagen.

Wollt ihr auf lange Sicht weitere Standorte aufmachen?
Ja, wir sind Freaks und wissen, dass wir bald sterben. Also „bald“ heißt jetzt frühestens in maximal 80 Jahren, wenn geht. Bitte. Unsere Nachkommen sollen aber weiterhin einen starken Impact genießen.

Die schwerste Kurzhantel bei euch im Gym?
Im Moment 150 Kilo. Allerdings können wir auch innerhalb kürzester Zeit eine 200–kg-Hantel organisieren.

Euer Erfolgsrezept?
Wir wissen, was sinnvoll ist und setzen es ohne Gnade um. Keiner sollte uns negativ dazwischenreden. So im Stile: „Eh geil, aber…“. Das Wort „aber“ ist oftmals ein Scheißwort. Wir sind ehrlich. No Bullshit.

Die geilen Fotos wurden von unserem Startfotographen Christopher Kelemen geschossen.

Credits: www.christopherkelemen.com
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