Auf dem ersten motorisierten Bike ist Pol Espargaro mit drei Jahren gesessen: Sein Vater hatte ihm Stützräder an ein Minibike geschraubt. Ist ja logisch – oder hat deine Kindheit anders ausgesehen?! In der kommenden Saison wird er bei KTM, zeigen was er drauf hat – diesmal ganz ohne Stützen… 

Du bist schon mit drei Jahren das erste Mal auf einem Motorrad gefahren. Wie zum Teufel?!
Mein Vater war ein begnadeter Bastler, und so hat er Spezialstützräder angefertigt und an die Hinterachse geschweißt. Ich konnte Motorradfahren, bevor ich Fahrradfahren konnte (lacht). Ausserdem hat mein Vater einen Sicherheitsschalter eingebaut, damit er den Motor abschalten kann, und das Bike stehen bleibt, wenn ich zu viel Gas gebe.

Ist dein Vater selbst auch Motorradrennen gefahren?
Ja, aber er war nur ein Amateur und ist nur in der Stadt, in der wir aufgewachsen sind, Rennen gefahren. Die großen Motorradrennen hat er damals nur im Fernsehen als eingefleischter Fan mitverfolgt. Diese Passion hat er versucht, auch auf uns zu übertragen, und das hat eindeutig funktioniert (lacht).

Aus der vergangenen Saison in der das Interview mit Pol geführt wurde.
Aus der vergangenen Saison in der das Interview mit Pol geführt wurde.

War es schon dein Kindheitstraum, einmal in der MotoGP zu starten?
Als wir begonnen haben, haben wir gar nicht an die MotoGP gedacht. Ich kann mich noch erinnern, als ich fünf Jahre alt war und mein Bruder sieben, und man meinen Vater gefragt hat, was seine Pläne für uns in Zukunft wären. Er hat damals gesagt, dass er es nicht wüsste, aber wir es richtig genießen und unglaublichen Spaß daran hätten, und dass das das Wichtigste für ihn wäre. Ihm war es egal, ob wir auf einem Dirtbike sitzen, Motocross oder was auch immer machen. An die MotoGP hat er glaube ich nie gedacht. Schönes Sprichtwort: You never know, where the ride is going. Wir haben in der MotoGP unseren Platz gefunden und das ist wie ein Traum.

Was ist momentan dein Traum in der MotoGP?
Zu gewinnen! Als ich 2015 in die WM eingestiegen bin, war es mein Ziel, in die Punkteränge zu fahren. Du willst natürlich immer mehr! Nachdem du das erste Mal am Podium gestanden bist, willst du gewinnen – und irgendwann willst du dann den Titel. Du willst all das erreichen, was möglich ist. Wir Menschen sind so. Immer höher und immer weiter!

Glaubst du, ist es schwieriger, glücklich zu sein, wenn die Ziele und Träume immer größer werden? Zwangsläufig wirst du ja mal scheitern.
Ja, ich glaube es ist sogar sehr schwer, glücklich zu bleiben. Der Mensch gibt sich selten zufrieden mit dem, was er hat. Sogar wenn du das erste Mal gewinnst, willst du sofort wieder gewinnen. Das ist in einem Wettkampfsport etwas sehr Positives, aber wenn es zu viel wird, kann es dir auch schaden.
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Wie groß ist der Unterschied zwischen einem Moto2 und einem MotoGP Bike?
Gewaltig! Der größte Unterschied ist die Kraft, die ein MotoGP Bike hat. Man könnte sagen, die ist unlimitiert. Du kannst so viel Gas geben wie du willst, und die komplizierte Elektronik hilft dir dabei. In der Moto2 hast du null elektronische Fahrhilfen. In der MotoGP hilft dir beispielsweise die Traktionskontrolle, die Antiwheeliehilfe oder auch die Motorbremse, und so kannst du die Kraft viel besser kontrollieren. Auch das Gewicht des Bikes ist höher, und die Carbonbremsen sind ein Wahnsinn. Du ziehst die Bremse viel sanfter – und trotzdem beissen sie viel fester zu als in der Moto2. Da musst du richtig vorsichtig sein.

Das heisst, das MotoGP Bike ist sogar einfacher zu handeln?!
Am Ende des Tages sind es alles Motorräder, und du musst sie verstehen und dich daran gewöhnen. Da haben beide Klassen ihre Eigenheiten.

Wie würdest du 300+ kmh auf einem Motorrad beschreiben.
Aussergewöhnlich. Das erste Mal, als ich auf einem MotoGP Bike gesessen bin, ist es mir wie ein Elektromotorrad vorgekommen. Das Bike fühlt sich einfach viel zu stark und komplett überzüchtet an. Aber da gewöhnst du dich dran, und 360 kmh fühlen sich auf der Strecke natürlich nicht so an, wie wenn du sie auf einer normalen Straße fahren würdest. Eigentlich kannst du das Gefühl gar nicht beschreiben, das musst du gespürt haben.

Weil du von 360 kmh auf der Straße sprichst…Würdest du beim berüchtigten Rennen auf der Isle of Man mitfahren?
Niemals! Auf gar keinen Fall! Ich hab es so oft im TV gesehen. Die Geschwindigkeit ist im Schnitt geringer als auf der Rennstrecke, aber es fühlt sich sicher um Einiges schneller an. Komplett verrücktes Rennen und komplett verrückte Rider.

Was erwartest du dir von KTM?
Also bis zum MotoGP in Spielberg waren meine Erwartungen eigentlich nicht so hoch aber nachdem ich das erste Mal das Bike gesehen habe, war ich richtig positiv überrascht. Die waren dort nur eine Sekunde hinter den Yamahas! Das ist unglaublich. Da wird in Mattighofen wirklich großartige Arbeit geleistet.

Glaubst du, stellt man dir ein Bike hin, mit dem man in der ersten Saison gewinnen kann?
Das ist wieder eine andere Sache. Es ist gut, hohe Erwartungen zu haben, und das erste Jahr wird sicher hart, aber wir werden sehen. KTM will gewinnen – und wir wollen auch gewinnen. Ich glaube, ich verdiene es, ganz vorne mitzufahren, und ich meine, dass wir das Zeug dazu haben. Alles ist möglich.

Ich hab mir von dir und Bradley Smith vor dem Interview ein paar Videos angeschaut…Ihr habt ja richtig Spaß miteinander. Das ist beeindruckend.
Wir verstehen uns richtig gut, und das ist wichtig, wenn man viel Zeit miteinander verbringt. Ein Konflikt mit deinem Teamkollegen ist immer ein Desaster.

Und trotzdem seid ihr da eher die Ausnahme in der MotoGP.
In vielen anderen Teams läuft es nicht so rund zwischen den Fahrern, hast du recht. Es passt gut, dass Bradley und ich auch in den kommenden zwei Jahren bei KTM in einem Team fahren werden. Da tut es gut, zu wissen, dass man jemanden hat, mit dem man sich versteht.
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War Bradley ein Mitgrund für deine Entscheidung, in der kommenden Saison für KTM zu starten?
Auf jeden Fall. Er ist ein richtig cooler Typ, der aufgrund seiner Liebe zum Motorradfahren sehr viel an den Bikes arbeitet. Gemeinsam werden wir sicher viel zur Entwicklung bei KTM beitragen können. Letztes Jahr haben wir schon die R1 für die Langstrecke gemeinsam entwickelt, und das hat richtig gut funktioniert. Also dass Bradley nach Österreich kommen wird, war bei meiner Entscheidung, zu KTM zu wechseln, sicher ein weiterer Pluspunkt.

Ihr habt auch gemeinsam am Langstreckenrennen von Suzuka teilgenommen. Ist es üblich, dass MotoGP Fahrer daran teilnehmen?
Eigentlich nicht. Suzuka war allerdings ein besonders wichtiges Rennen für unsere japanischen Ingenieure von Yamaha, und deswegen haben sie uns gebeten, daran teilzunehmen. War eine richtig geile Erfahrung.

Ist es im Vergleich zur MotoGP entspannter, weil man auch tatsächlich zu zweit und miteinander in einem Team fährt?
Es ist etwas ganz Anderes – unterm Strich wahrscheinlich ein bisschen lustiger, weil du nicht diesen enormen Druck wie in der MotoGP hast. Ausserdem ist die Atmosphäre in Suzuka der Hammer. Die Japaner lieben dieses Rennen und haben so eine Leidenschaft für den Sport! Ich habe keine Ahnung, wieso man sich dort so sehr für dieses eine Rennen begeistern kann, aber sie tun es (Lacht)!

Dein Bruder Aleix gehört zu deinen Konkurrenten. Wie ist es, wenn man den eigenen Bruder als Feind auf der Rennstrecke hat?
Wir fahren schon unser ganzes Leben gegeneinander um die Wette. Er sagt, dass er es mag, gegen mich zu fahren, aber ich mache das nicht so gern. Um ganz ehrlich zu sein, hasse ich es. (lacht) Da war die Situation entspannter, als ich in der Moto2 und er in der MotoGP gefahren ist. Damals konnte er mir noch helfen und die Rivalität war eine ganz andere.

Was geht dir im Rennen durch den Kopf, wenn du deinen Bruder direkt vor dir hast?
Da bekommst du einen Extraschub an Motivation, weil du deinen größeren Bruder natürlich überholen willst, vor allem, weil er immer einen kleinen Vorsprung durch sein Alter hatte! (lacht) Es macht das Ganze auch ein bisschen einfacher, weil ich genau weiß, wie er in den meisten Situationen reagiert. Auf der anderen Seite weiß er das gleiche über mich.

Trainierst du viel in Österreich oder bleibst du dann in Andorra?
Ich werde sehr viel in Andorra trainieren, aber so oft man mich braucht, nach Österreich kommen.

Übrigens… Du und Bradley machen ja immer eine Challenge, in der jeder von euch etwas erraten muss. Eine Frage drehte sich um die Herkunft des Schnitzels. Du hast mit Österreich die richtige Antwort gegeben, obwohl Bradley dich auf Deutschland ausgebessert hat! 
Oh nein! Wirklich?! Das muss ich unbedingt richtigstellen! Wo ist Bradley?! (lacht)

 

Photocredits: Monster Energy, Gold & Goose/Red Bull Content Pool

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