Nicholi Rogatkin Ist der amtierende Freeride Mountainbike Weltmeister und legte beim Red Bull Rampage einen der spektakulärsten Stürze überhaupt hin. Was man nach so einem Crash macht? Aufstehen und weiterfahren. Für Selbstmitleid ist keine Zeit.

Ich habe einen deiner Crashs bei Red Bull Rampage gesehen! (Findet ihr unter www.dailysports.at/rogatkin/) Du bist einfach aufgestanden und weitergefahren. Was geht einem da durch den Kopf?
Da schießen dir so viele Gedanken durch den Kopf. Der Sturz dauerte zwar nur ein paar Sekunden, aber gerade so einer fühlt sich an wie eine Ewigkeit. Um ehrlich zu sein, dachte ich mir, dass mein Leben jetzt vorbei sei oder ich im Spital aufwache.

Hat man da wirklich die Zeit, sich über so etwas Gedanken zu machen?!
Als ich das Video das erste Mal gesehen habe, dachte ich mir: das waren doch nur Zehntelsekunden! Aber wenn es dir passiert, will die Zeit gar nicht mehr vergehen. Im ersten Moment denkst du ja noch, dass du den Sturz verhindern kannst, in der nächsten Millisekunde wird dir aber bewusst, dass nichts mehr geht – und dann schlägst du das erste Mal auf dem Boden auf. Das nimmst du alles unglaublich detailliert wahr!

Man könnte also sagen, dass du regelmäßig die Relativitätstheorie überprüfst?
So könnte man das auch sehen…

Wie hast du es überhaupt geschafft, aufzustehen, geschweige denn den Lauf zu beenden?
Du bist in dem Moment so mit Adrenalin vollgepumpt, dass du sowieso fast nichts spürst. Abgesehen davon kam auch noch eine ordentliche Portion Frust dazu, weil ich, anstatt meinen Lauf zu beenden, den verrücktesten Sturz meiner Karriere erlebte. Die Ärzte haben versucht, mich zu beruhigen und am Boden zu halten, aber ich wollte unbedingt aufstehen und weitermachen! Das bisschen Blut im Gesicht habe ich mir abgewischt und weiter ging es. Runterkommen musst du sowieso, also wozu zu Fuß, wenn du ein Bike hast?!

Wie hat sich dein Körper ein paar Stunden später angefühlt?
Mein Gesicht war ziemlich zerstört. Ich bin über die erste Klippe drübergeackert und habe einfach nur versucht, langsamer zu werden. Da der Einschlag zum Glück nicht so dramatisch war, bin ich von Knochenbrüchen verschont geblieben.

BEST OFF

Schaust du Fußball?
Ja auch, aber ich bin ein großer Fan von American Football, Eishockey und ziemlich vielen anderen Sportarten. Ich lebe in Boston, und bei uns hat Sport eine unglaubliche Tradition.

Worauf ich eigentlich hinauswollte: Was denkst du dir, wenn ein Fußballer leicht berührt wird und am Boden herumkugelt, während du von einer Klippe stürzt, einfach aufstehst und weitermachst?!
Ich hate da nicht so wie viele andere aus der Extremsportszene. Der große Unterschied ist halt, dass bei uns viele so tun, als ob sie nicht verletzt wären und keine Schmerzen hätten. Du musst es von der Seite sehen: Egal welcher Sport, du tust dein Möglichstes, um zu gewinnen! In unserem Sport zeichnet dich auch Härte aus! Im Fußball sind die Regeln eben so, dass dir dieses Hinfallen einen Freistoß bringen kann, der möglicherweise das Spiel entscheidet. Auch wenn die Schauspielerei manchmal over the top ist, ist es irgendwo verständlich.
Wenn du bei uns hinfällst und so tust, als ob du dir etwas getan hättest, wird es dir jedenfalls nicht helfen. Gleich aufzustehen verschafft dir Respekt.

Was sagt deine Mama zu deiner Leidenschaft?
Meine Mama ist da ein bisschen hin und hergerissen. Sie hat mich immer unterstützt, aber mein Vater war der, der das Ganze noch richtig gepusht hat und weniger Angst hatte als meine Mutter. Es gab viele Momente, in denen sie nicht sehr glücklich war, dass ich diesen Sport mache, besonders als sie das Video von meinem Crash sah. Sie kann auch bis heute kaum live zuschauen.

Du hattest deinen ersten Sponsor mit 7 Jahren?!
Ja, ganz genau! Für mich als Kind war das einfach unglaublich!

Matthias Stelzmüller im Talk mit Weltmeister Nicholin Rogatkin
Matthias Stelzmüller im Talk mit Weltmeister Nicholin Rogatkin

Hast du noch den selben Sponsor?
Nein, aber das ist eigentlich eine verrückte Geschichte, weil mein Bikesponsor Specialized Bikes mein erster Sponsor war. Die haben mir damals ein kleines BMX zur Verfügung gestellt. Später bin ich auf andere Bikes umgestiegen, aber jetzt, wo ich wieder im MTB Sport angekommen bin, bin ich auch wieder auf einem Specialized unterwegs. Back to the roots sozusagen.

Was macht dich so passioniert für diesen Sport, dass du sogar dein Leben dafür riskierst?
Auf der einen Seite Ehrgeiz, auf der anderen kann ich mir ein Leben ohne Bike einfach nicht vorstellen. Ab einem gewissen Zeitpunkt in meiner Karriere hatte ich die Möglichkeit, selbst Geschichte zu schreiben und eigene Tricks als erster Mensch zu landen. Das ist einfach unglaublich! Das macht den Sport für mich aus.

Hättest du vor fünf Jahren gedacht, dass heute solche Sprünge gelandet werden?
Nein, absolut nicht! Aber das Material wird besser und die Rider auch. In fünf Jahren sitzen wir wahrscheinlich wieder hier und stellen uns die gleiche Frage.

Wirst du bei M.O.D. einen neuen Trick zeigen?
Ich arbeite immer an neuen Tricks. Letztes Jahr habe ich das erste Mal den Twister probiert und gelandet! Das zu toppen wird schwierig, aber bei der Stimmung und den geilen Fans ist alles möglich. Also ja, ich werde möglicherweise was Neues probieren!

Photocredits: Masters of Dirt; PACOimages

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