Das letzte Formel-E-Rennen ist noch nicht allzu lange her, doch der nächste ePrix der ersten Saison steht bereits vor der Tür. Mit dem Rennen am kommenden Samstag im uruguayischen Punta del Este, dem “Monte Carlo Südamerikas”, debütiert die Serie in Amerika. Es wird das erste von vier aufeinander folgenden Rennen auf dem amerikanischen Doppelkontinent sein.

Zuletzt startete die neue Rennserie in Peking (China) und Putrajaya (Malaysia). Aus den Ereignissen dieser beiden Rennen lässt sich bereits schließen, dass auch das Rennen in Punta del Este jede Menge Spektakel bringen könnte. Nach einer Rennentscheidung in der letzten Kurve in Peking und einem aufregenden Rennen in Putrajaya dürfen sich Lucas di Grassi und Sam Bird offiziell Sieger eines Formel-E-Rennens nennen, doch wer die Siegertrophäe in Punta nach oben recken darf, wird sich zeigen.

Nach actiongeladenen, von zahlreichen Drehern und Unfällen gezeichneten Rennen, steht das einzige deutsche Team, Audi Sport Abt, in der Teamwertung auf dem ersten Rang, dicht gefolgt von Virgin Racing. Gut möglich also, dass es wieder ein spannender Kampf zwischen den beiden Teams entlang der Strandpromenade von Punta del Este geben wird. Alejandro Agag, Geschäftsführer der Formel E, freute sich bereits bei der Streckenvorstellung vor sechs Monaten auf dieses Rennen.

“Von Beginn an bot uns die Stadt Punta del Este eine unglaubliche Unterstützung für die Formel E und mein besonderer Dank geht an Bürgermeister Martin Laventure und ACU-Präsident Jorge Tomassi, die uns erlauben, in ihrer wunderschönen Stadt zu fahren. Punta del Este zeigt großes Engagement für Nachhaltigkeit, und wir hoffen, dass durch die Veranstaltung der Formel E die Vorteile von Elektroautos weiter herausgestellt werden.”

Streckenlänge: 2,8 Kilometer
Rennlänge: 31 Runden

Zeitplan 2014 (alle Zeiten in MEZ):

1. Freies Training: 11:15 Uhr – 12:00 Uhr
2. Freies Training: 13:30 Uhr – 14:00 Uhr
Qualifikation: ab 15:00 Uhr
Rennen: ab 19:00 Uhr

– Alle Sessions finden am 13. Dezember 2014 statt –

Streckeninformationen:
Mit ihren 2,8 Kilometern Länge ist die Strecke nur minimal Länger als zuletzt in Putrajaya, jedoch gibt es deutlich mehr Kurven. Vor der wunderschönen Kulisse, die Strecke führt entlang der malerischen Strandpromenade von Punta del Este, haben die Fahrer 20 anspruchsvolle, enge Kurven vor sich. Es ist genau dieser Mix aus langen Geraden und scharfen Kurven, der die Herausforderung für die Teams so groß macht.

Der Kurs basiert auf der Strecke, wie sie in der TC2000Tourenwagenmeisterschaft benutzt wird, einer Serie aus Argentinien, die seit 1979 jährlich ausgetragen wird. Interessant wird auch wieder das Thema Energieverbrauch zu beobachten sein. Antonio Garcia weiß schon worauf es ankommt: “Die Strecke sieht recht gut aus, aber das Layout ist nicht alles für uns, um schnell zu sein. Wie wir mit Sam Bird in Putrajaya gesehen haben: Unser Hauptaugenmerk wird darauf liegen, möglichst viel aus der Batterie herauszuholen.”

Punta-del-Este-Layout
Das Layout für Punta del Este verspricht viel!

 

Die Runde beginnt ähnlich wie zuletzt in Putrajaya mit einer engen Schikane, in der es nach dem Start eng werden könnte, wenn alle 20 Autos im Paket die Start- und Zielgerade hinunterfahren. Besonders schwierig könnte es hier ebenfalls werden, wenn der Wind “falsch” steht. Die erste Hälfte der Piste liegt sehr nah am Strand, wodurch Sand aus auf die Straßen pusten könnte. So kann der Belag von Session zu Session komplett unterschiedlich werden.
Ausgangs der Schikane folgt eine etwas längere Gerade, vielleicht die beste Überholmöglichkeit der Runde. Es kommt einzig und allein darauf an, wie viel Geschwindigkeit man vor dem Bremsen für Kurvenkombination 5/6 aufgenommen hat. Der Knick Nummer vier wird von den Piloten voll genommen, danach geht es nur noch darum, das Auto für die Bremszone zu positionieren.
Auch hier gilt wieder: Der Asphalt kann stellenweise unterschiedliche Eigenschaften haben, da Sand auf der Strecke liegen könnte. Zudem wurde vor einigen Jahren der Untergrund teilweise erneuert, was Unterschiede im Gripniveau mit sich bringen könnte. Ein Aspekt beim Bremsen aber auch Bodenwellen sein, mit denen die Fahrer erst in den Freien Trainings Erfahrungen machen können.

Nach einem weiteren kurzen Sprint mit einem Knick (Kurve 7) folgen gleich zwei 90-Grad-Ecken, die die Fahrer auf die windgeschützte Seite bringen. Es folgt eine weitere Schikane, in der es aber nicht so einfach sein wird zu überholen wie in den Kurven 1/2 und 5/6. Interessant ist auch Kurve 12. Hier wird es essenziell wichtig sein, den richtigen Bremspunkt zu treffen. An vielen Stellen ist die Strecke nicht sehr breit, was wenig Raum für Auslaufzonen mit sich bringt. Verpasst man seinen Bremspunkt, kann man schnell in der Wand enden. Die Linkskurve sieht breiter aus, als sie eigentlich ist. Der Knick ist zudem von großer Bedeutsamkeit für die folgenden Kurven: Steht man zu früh auf dem Gas, leidet die Rundenzeit.
Kurve 13 ist eine weitere mittelschnelle Kurve, in der es gilt, die Geschwindigkeit so hoch wie möglich zu halten. Nach einem Katz-und-Maus-Spiel mit Gas und Bremse zählt der Kurvenausgang besonders. Mit ein wenig Glück könnte man sich für die Kurve 15 neben seinen Gegner setzen und ein Manöver wagen. Besonders eng wird es in Kurve 14: mit einem Winkel von über 90 Grad wenden die Fahrer ihren Wagen nämlich zuerst nach links, um ihn dann wiederum in einem ähnlichen Winkel nach rechts zu befördern.
Höchste Ansprüche also für Fahrer und Material. Ist das Setup zudem nicht richtig abgestimmt, setzt der Wagen hier sogar auf. Erwischt man einen guten Ausgang, kann man mit einem FanBoost möglicherweise auf der kommenden Geraden seine Position verteidigen, beziehungsweise zurückerobern.

Die übrigen fünf Kurven stellen zwar das Ende der Runde dar, jedoch ist hier auch der technisch anspruchsvollste Teil der Strecke, in dem die Konzentration der Fahrer den absoluten Höhepunkt erreicht. Zunächst erwartet die Fahrer ein komplizierter Anbremsablauf in Kurve 17 hinein, die Bremszone beginnt schon vor einem Linksknick (Kurve 16), was dazu führen kann, dass die Fahrer ihre Vorderräder blockieren. Nun gilt es eine gute Linie durch die nächsten Kurven zu finden. Eng am Streckenrand entlang führt hier die Ideallinie für Kurve 19, eine vergleichsweise schnelle Kurve, in der die Fahrer ungemein aufmerksam sein müssen. Nirgendwo sonst ist die Strecke so eng wie hier.

Die Hand von Punta del Este. | Fotocredit: Vince Alongi via Photopin (cc)
Die Hand von Punta del Este. | Fotocredit: Vince Alongi via Photopin (cc)

Weiter den Strand hinunter kann man die “Hand von Punta del Este” begutachten, eine bekannte Skulptur anlässlich des ersten Skulpturenkongresses in Punta del Este 1982. Sie zeigt eine Betonhand, die aus dem Sand herausragt, und erinnert an das letzte Lebenszeichen eines Ertrinkenden, weshalb die Einwohner sie auch liebevoll “Monument vom Ersaufenden” getauft haben. Die Hand von Punta del Este ist eines der bekanntesten Wahrzeichen von Uruguay.

Ein möglichst guter Ausgang aus der Kurve 19 heraus führt die Fahrer wieder zurück auf die Start- und Zielgerade, eine weitere Stelle an dem der FanBoost hilfreich sein könnte. Auf der rechten Streckenseite befindet sich die Boxengasse. Diese führt dann erst wieder nach der ersten Schikane auf die Strecke zurück.

Wetter:
Wie man es für Uruguay zu dieser Jahreszeit erwarten kann, ist für das Rennen für den kommenden Samstag warmes und trockenes Wetter angekündigt. Bei Temperaturen im Bereich zwischen 25 und 27 Grad wird keinerlei Niederschlag zum Rennen hin erwartet.

Trotzdem sollten die Zuschauer zumindest an einen Regenschirm denken. Gegen 9:00 Uhr am Morgen besteht die Möglichkeit von kleinen Regenschauern, die allerdings keine allzu großen Auswirkungen haben werden. Bei Windböen von bis zu 40 km/h im Training, aber nur circa 23 km/h im Rennen ist es denkbar, dass die Fahrer zumindest an manchen Stellen mit dem Grip zu kämpfen haben könnten.

Prognose:
Wie auch in den Rennen zuvor entscheidet sich das Podium wohl zwischen fünf Teams: Abt, e.dams, Venturi, Virgin und Mahindra. Insbesondere Abt steht unter Druck: Die Meisterschaftsführenden liegen nach dem letzten Rennen in Putrajaya nur noch einen Punkt vor Virgin. Auch Nick Heidfeld (Venturi) hat noch jede Menge Wut im Bauch: Bei den letzten beiden Events ist er gleich viermal verunfallt und steht damit ohne einen einzigen Punkt in der Meisterschaft da. Sollte ihm ein gutes Qualifying gelingen, hätte der 37-Jährige durchaus gute Chancen auf seinen ersten Rennsieg in der Formel E. Nicht zu unterschätzen ist aber auch der britische Virgin-Pilot Sam Bird, der in den letzten beiden ePrix gute Punkte sammeln konnte.

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