Mit außergewöhnlichen Menschen zusammenzuarbeiten und dabei die aussergewöhnlichsten Dinge zu erleben, das ist einer meiner Träume. Hättest du mir vor einem Jahr erzählt, dass wir heute an der 6. Ausgabe des DailySports Magazins schreiben, gleichzeitig ein Buchprojekt gestartet haben und mich Hannes Arch mit einem Helikopter abholt, damit ich ihn interviewen DARF, hätte ich gefragt, ob du auf einem Trip bist.

Raus aus dem System
Ich sage bewusst darf, weil ich es als Privileg ansehe, mit solchen Personen arbeiten zu dürfen.
Erst unlängst wurde ich gefragt, ob ich einen Helden oder ein Vorbild habe. Ich musste kurz nachdenken, aber schnell wurde mir bewusst, dass ich fast ausschließlich mit Helden zusammenarbeite und wir mit den inspirierendsten Persönlichkeiten zu tun haben, von denen sicher jeder etwas für seinen eigenen Lebensweg mitnehmen kann. Leute, die sich nicht anscheissen, aus der Komfortzone zu kommen und die eigenen vier Wände verlassen, um etwas zu erLEBEN.

Hannes: „Du musst mutig sein, wenn du gegen den Strom schwimmst. Für mich hat, wenn das Wetter schön war, in die Dolomiten zu fahren, dort Bergsteigen oder klettern zu gehen, und meine Leistung dort zu bringen mehr Sinn gemacht. Das, was ich dort gelernt habe, war meistens mehr wert als das, was ich in der Schule gelernt habe. Das war prägend für mein Leben – und davon zehre ich heute noch.“

Ein unkonventioneller Bildungsauftrag, den wir mit DailySports umsetzen wollen. Man könnte auch sagen: eine unfassbar wertvolle und trotzdem „kostenlose“ Masterclass.
Ich habe schon lange das Gefühl, dass die Interviews bei uns keine Interviews im traditionellen Sinn sind, sondern sich diese immer mehr zu einem Gespräch, durchaus auf Augenhöhe und auf einer gewissen Vertrauensebene, entwickeln. Das liegt bestimmt auch an der Bodenständigkeit meiner Wunschinterviewpartner.
Ich muss mir dennoch selbst immer wieder ins Gedächtnis rufen, nicht die klassischen Mainstream 0-8-15 Fragen zu stellen (die ohnehin keine Sau mehr hören kann). Und so kommt es schnell dazu, dass über den Sinn des Lebens, gelebte Träume und unbegrenzte Möglichkeiten philosophiert wird. Oder glaubst du, dass Hannes Arch in seiner Jugend, in der er oft die Schule schwänzte, weil er den Sinn für sich beim Klettern und Bergsteigen in den Dolomiten entdeckt hatte, dachte: die Grenze ist ein Bürojob?
Und ich bitte vielmals um Verzeihung, dass ich Sau geschrieben habe. Aber im fünften Versuch, diesen Text zu schreiben, möchte ich ihm nicht die Seele rauben, weil jemand fragen könnte: “Darf er das?!“ Ja wir dürfen!

Für mich sind diese – nennen wir sie Interviews – Lehrstunden für das Leben und die Bestätigung für den Weg ausserhalb der Komfortzone und in Bereichen, die nicht der Norm entsprechen. Um ehrlich zu sein, finde ich „die Norm“ zum Kotzen und empfinde wahrscheinlich deswegen auch die größte Freude dabei, Sportler und besonders Extremsportler über ihre Träume und Lebenswege auszufragen und mit Menschen zu tun zu haben, die vormachen, wie man wortwörtlich Grenzen verschiebt.

Hannes: „Ich hatte witzigerweise nie den einen Traum, dass ich irgendwas werden will. Den habe ich auch jetzt noch nicht. Ich schau einfach, dass ich bei dem, was ich mache, immer einen riesigen Spaß habe. Ich glaub das hatte ich als Kind auch schon. Mit dem Wandern, dem Klettern und dem Bergsteigen. Ein Ausbruch auch aus dem Dorfleben.“

Bildschirmfoto 2016-08-23 um 23.38.31
Hannes Arch genießt die Freiheit auf der Elberfelder Hütte

Alle Infos zur Elberfelder Hütte findest du HIER!

Besonders bei Hannes und seinem Umfeld – ich durfte auch seinen Manager Kurt Kaiser kennenlernen – spürt man ganz stark, dass es um Sinn und nicht um Kohle geht. Ich glaube, dass mich meine Menschenkenntnis bisher nur selten getäuscht hat und wir allgemein sehr ehrliche und persönliche Antworten bekommen, die anderen Medien eventuell verwehrt bleiben. Vielleicht aber auch, weil Themen wie: was trainierst du morgen und wie war heute der Schnee – gleich gar nicht angesprochen werden.

It`s not about money and it`s not about fame
Mit dem Heli abgeholt zu werden, luxuriöser Lifestyle und alles was dazu gehört, hat schon etwas Faszinierendes an sich. Hannes meint, man gewöhnt sich an alles. Ich glaube, damit hat er recht, und so gewöhnt man sich wahrscheinlich auch schnell an den Komfort, mit einem Heli von A nach B zu fliegen.
Im Kern kommt es doch nur darauf an, ob man das macht, was einem Freude bereitet und worin man einen Sinn sieht. Vielleicht sollte der DailySports Slogan statt Blut, Schweiß und Adrenalin: Herzblut, Sinn und Leidenschaft heißen.
Eines hat mich in den Gesprächen mit den Extremsportlern und vor allem im Gespräch mit Hannes überrascht: Ich hatte erwartet, dass Extremsportler irgendwie alle gleich ticken. Ganz im Gegenteil! Die Motive, Antworten und Charaktere könnten gar nicht unterschiedlicher sein. Individualismus auf höchstem Niveau. Ich bin auch überrascht, dass mir alle Extremsportler – zumindest habe ich es so empfunden – sehr ehrlich auf die Frage geantwortet haben, welche Rolle Geld in ihrem Leben spielt. Eines vorweg: Hannes war der einzige der bisher interviewten Extremsportler, der gesagt hat, dass Geld für ihn wirklich nicht wichtig ist und er auch glücklich wäre, wenn man ihm die Flugzeuge und den Luxus wegnimmt. Das sagt sich natürlich einfach, wenn man es hat, aber er ist der erste, der diese Floskel nicht einstudiert wiedergibt. Bei ihm steckt soviel Leidenschaft und Professionalität hinter allem, was er angeht, und trotzdem geht es ihm darum, an allem Freude zu haben und zwar im Hier und Jetzt und nicht erst übermorgen.
Eine Eigenschaft, die bei Hannes Arch ganz besonders stark hervorsticht, ist Selbstreflektion. Ich glaube, dass die Ehrlichkeit zu sich selbst, Beharrlichkeit, Bodenständigkeit und natürlich harte Arbeit zu seinem unglaublichen Erfolg geführt haben.

Mittlerweile kennt man Hannes Arch als den Red Bull Air Race Weltmeister. Hast du gewusst, dass sein Drang nach Freiheit mit begrenzten Mitteln in einem kleinen Dorf in der Steiermark begonnen hat und seine größte Leidenschaft das Klettern und Bergsteigen war bzw. auch nach wie vor ist? Noch in seinen frühen 30ern ist er mit einem umgebauten VW Bus „herumgegurkt“, um entlegene Berge zu besteigen. Der eigene Vogel (Flugzeug) war noch ausser Reichweite! Das unternehmerische Gespür hatte er allerdings schon damals.

Hannes: „Ich wollte immer auf die Berge, weil du von da oben eine weitere Sicht und einen weiteren Horizont hast.“

Ein guter Moment, um mich bei Hannes für den wortwörtlich extrem spannenden Tag zu bedanken, ebenso bei Apnoeweltrekordhalter Christian Redl, der ein unglaublich loyaler Typ und Träumer ist und den Tag mit Hannes möglich gemacht hat!

Für den Abschluss findet Hannes Arch die besten Worte: „MAN DARF NICHT VOR DEM RISIKO DAVONLAUFEN, WEIL LEBEN IST RISIKO UND LEBEN IST ABENTEUER.“

More to come soon. Im DS Print Magazin und bald im Hardcover.

Das beste Handy für alle Abenteurer unter euch! www.crosscall.com

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.