Die Rally Dakar ist die bekannteste Wüstenrally der Welt. Matthias Walkner der Rally Raid-Weltmeister hält auch in diesem Jahr in Südamerika die österreichische Flagge hoch. Dafür musste er sich jedoch zuerst neu erfinden. Er gibt uns einen Einblick in die Torturen und Challenges der Dakar.

Wie läuft ein Tag auf der Rally Dakar ab?
Zwischen 3 und 4 in der Früh steht man auf und startet dann mit der Verbindungsetappe, die zwischen 200 und 600 Kilometern lang ist. Zwischen 11 und 13 Uhr kommt man dann beim eigentlichen Start der gezeiteten Etappe an. Über 500 bis 600 Kilometer geht es dann ans Eingemachte, das längste waren 1070 Kilometer. An 13 Fahrtagen legen wir insgesamt 9200 Kilometer zurück.


Wie bereitest du dich auf die Strapazen der Rally vor?
So kurz vor der Rally schaue ich vor allem auf die Ausdauer. Auf Experimente wie Ergotraining in der Sauna verzichte ich. Von Gerrit Glomser habe ich allerdings ein Höhenzelt, um die Torturen besser zu verkraften. Die Aussentemperatur in den Anden liegt bei -10 Grad Celsius und wir kommen bis auf 5000 Höhenmeter. Mir war noch nie über einen so langen Zeitraum so kalt. Heuer sind wir wieder drei Tage in Bolivien. Dort bewegen wir uns immer auf ca. 3000 Höhenmetern.


Im Sommer trainierst du gemeinsam mit Marcel Hirscher und seinem Vater Ferdinand?
Der Ferdl hat vor ungefähr vier Jahren erkannt, dass wir sehr viel gemeinsam haben und sich die Sportarten mehrfach überschneiden. Durch ihn konnte ich fahrtechnisch einiges weiterbringen. Das war das erste Mal in meinem Leben, dass das Training gefilmt und professionell analysiert wurde. Das hat mich ordentlich nach vorne gebracht. Resultat der Arbeit war der Weltmeistertitel 2012. Auch der Marcel ist ein Motocross-Fanatiker. Wenn es sich ausgeht, trainieren wir immer wieder gemeinsam am Bike.

Photographer Credit: Markus Berger - Red Bull Content Pool


Hast du neben Ferdinand Hirscher auch noch weitere Betreuer?
Vor eineinhalb Jahren habe ich die Sportart gewechselt. Das war eine riesige Umstellung von Motocross auf Rally. Durch meine Leistungen habe ich einen Werkvertrag bei KTM bekommen. Was Motorräder angeht bekomme ich da die beste Unterstützung. Ausdauertechnisch werde ich von Red Bull in deren Trainingszentrum in Thalgau betreut. Was die Technik auf dem Bike angeht baue ich nach wie vor auf den Ferdl, aber beim Rally fahren kommt es zu 70 Prozent auf das Navigieren und nur zu 30 Prozent auf die Fahrtechnik an. Es bringt dir nichts, der schnellste am Bike zu sein, wenn du dich fünf mal am Tag verfährst. Durch den Umstieg musste ich erstmal lernen, wie man mit einem Roadbook navigiert.


Wie lernt man das?
Wenn die Bauern bei uns gemäht haben, fragen wir, ob wir die Felder kreuzen und im Wald umadumfahren dürfen, um das Navigieren zu üben. Wichtig ist vor allem, dass ich jemanden habe, der mir ein vernünftiges Roadbook schreibt.


Man darf bei der Rally Dakar also auf kein GPS-Navi zurückgreifen?
Na gor ned! Für das Navigieren hast du eine durchgehende Papierrolle, die je nach Länge der Etappe 300 bis 500 Roadbookpassagen enthält. Extrem schwer ist das Navigieren natürlich off-piste, wenn es keine Straßen gibt. Da haben wir dann zusätzlich einen digitalen Kompass. Im Roadbook steht dann beispielsweise: 17,4 Kilometer bei 201 Grad. Das klingt jetzt einfach, aber auf der direkten Linie stößt man auf Hindernisse wie Bäume, Felsen, Dünen und so weiter. Daher muss man deutlich mehr Kilometer fahren und ziemlich genau einschätzen, wie viel man zu viel gefahren ist und ob dementsprechend noch die Richtung passt.
Roadbook 4
Wo liegt die Durchschnittsgeschwindigkeit auf einer mehrere hundert Kilometer langen Etappe?
Letztes Jahr hatte ich auf der ersten Etappe einen Schnitt von 132 km/h und das über Sandpisten, Schotterpisten, steile Dünen und Gefälle. Auf so einer Etappe fährt man 90 Prozent Vollgas.
Richtig zach auf den Schotterstraßen ist ausserdem der Staub vom Vordermann. In Marokko oder Chile ist es so trocken, dass du dann rundherum nichts mehr siehst. Wenn du bei der Geschwindigkeit einen Baum übersiehst …
„Wenn man mit einem Navi mit 100 km/h durch Wien fahren würde, verfährt man sich wahrscheinlich trotzdem dreimal.“ 


Taugt dir die Rally Dakar mehr als Motocross?
Ja definitiv. Man bekommt einfach so viele Eindrücke aus der ganzen Welt. Heuer zum Beispiel in Chile: Wir fahren in der trockensten Wüste und plötzlich blüht alles violett! Ein Anblick zum Niederknien. Ich war mir da kurz nicht sicher, ob ich schon so dehydriert bin und fantasiere, so beeindruckend war das. Auch die Leute da drüben haben so eine Freude, wenn sie uns beobachten, und das obwohl wir praktisch durch ihren Garten rasen. Sobald dort jemand sieht, dass ein Fahrer Probleme hat, helfen gleich alle mit. Ich hab dort drüben kein einziges Mal ein angfressenes Gesicht gesehen. Da gibt es echt Unterschiede zur europäischen Mentalität.


Wann hast du eigentlich das Motorradfahren entdeckt?
Früher war ich immer mit meinem Papa bei Rennen zuschauen. Das hat mich so fasziniert, dass ich schon von klein auf ein Motorradl haben wollte. In meiner frühesten Kindheit bin ich eigentlich viel Ski gefahren, das liegt ja nicht fern, nachdem ich aus dem selben Bezirk wie Marcel Hirscher komme, aber das hat mir irgendwann nicht mehr so getaugt. Bis ich zu meinem 14. Geburtstag die erste Motocross Maschine bekommen habe, bin ich immer mitm Opa seiner DS 50, einer alten Puch, im Wald herumgefahren. Kurz nachdem ich die erste Maschine bekommen habe, bin ich auch schon mein erstes Rennen gefahren.


Gibt es in Österreich ein professionelles Umfeld?
Eher kaum. Im österreichischen Motorsport muss man sich als Einzelkämpfer durchsetzen, sonst hat man keine Chance an die Spitze zu kommen. Einen richtigen Verband wie den ÖFB oder ÖSV gibt es nicht. Daher muss man auch selbst schauen, wie man ein Budget bzw. die richtigen Sponsoren und Helfer um sich dazuwurschtelt.


Was würdest du einem 13-jährigen raten, der einmal Motocross Weltmeister werden will?
Puh, mit 13 ist man schon reichlich spät dran! Ob man das Zeug dazu hat, entscheidet sich wahrscheinlich in der Pubertät, wo es mit den Dirndln und dem Fortgehen losgeht. Da trennt sich die Spreu vom Weizen. Der eine beißt sich durch und ergreift die Chance, der andere geht lieber feiern.

GEWINNSPIEL:

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Photographer Credits:
Markus Berger – Red Bull Content Pool

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