Aikido ist kein Kampfsport, sondern viel mehr eine Kampfkunst. Eine Kampfkunst, deren oberste Maxime es ist, Harmonie und das friedliche Miteinander zu fördern. Wir haben den Shumeikan Dojo in Wien besucht, in dem diese Werte gelebt werden.  

„Ich habe früher Judo gemacht, bis ich gemerkt habe, dass man im Vergleich zu Aikido immer mit Kraft gegen Kraft arbeitet.“ Erzählt uns ein Mitglied des Shumeikan Dojos. Die Faszination am Aikido ist nämlich, die Kraft des Gegners so effizient wie möglich gegen ihn einzusetzen und Kollateralschäden so gering wie möglich zu halten. Diese sanfte Kampfkunst hat ihre Ursprünge in Japan. Der Gründer Morihei Ueshiba hat als Soldat den Schrecken des ersten und zweiten Weltkrieges miterleben müssen und wollte etwas gegen dieses Grauen unternehmen. Die Grundlagen des Aikido liegen in den alten Kampfkünsten Japans. Heute gibt es sowohl sanfte als auch brutale Formen die sich Aikido nennen. Eine Variante ist beispielsweise das Yoshinkan Aikido, welches von der japanischen Polizei eingesetzt wird und damit eher hart ist.
Dass es eine Vielzahl von Aikido-Abwandlungen gibt, hängt damit zusammen, dass sich Schüler von Ueshiba frühzeitig abgespaltet haben, während er das Aikido über viele Jahre zu einer harmonischen Form der Selbstverteidigung entwickelt hat. Im Kampf gibt der erfahrene Aikido Kämpfer dem Gegner das Gefühl, dass Gewalt nur zu seinem eigenen Schaden führt. Das verlangt eine beträchtliche Lockerheit, die aufgrund des natürlichen Reflexes, in einer Gefahrensituation zu verkrampfen, sehr schwierig zu erlernen ist. Im Detail muss man damit rechnen, 2 Jahre zu trainieren, bis man die Grundzüge des Aikidos kennt. Man beginnt mit der Fallschule, dann geht es zu den Techniken, und schlussendlich kommt die Persönlichkeitsentwicklung dazu. Aikido ist nicht nur eine Kampfkunst, sondern auch eine Lebensschule. Die Mitglieder von Shumeikan Wien sagen selbst, dass sie über die Jahre mit dem Aikido ruhiger geworden sind. Innerlich und nach aussen.

In Österreich gibt es mittlerweile eine breite Community, die diesen Sport betreibt und dessen Werte vertritt. Der Shumeikan Dojo wurde im Jahre 2000 von Meister Nobuyoshi Tamura und dem Wiener Aikidoka Dieter Jöbstl ins Leben gerufen. Man könnte meinen, eine lange Zeit. Ist es auch, allerdings lernt man im Aikido nie aus, denn die Besten der Besten sind meistens die ältesten Mitglieder. So kann man sich durch Aikido bis ins hohe Alter sportlich betätigen und Körper und Geist fit halten. O Sensei Ueshiba selbst meinte, dass er Aikido erst mit 70 Jahren voll und ganz perfektioniert hatte. Für Meister Tamura stand vor allem im Vordergrund, dass alle praktizierten Techniken auch in realen Gefahrensituationen effektiv anwendbar sind. Das ist nicht bei allen Varianten so. Es gibt auch den energetischen Zugang, bei dem es ähnlich wie beim Thai Chi darum geht, die Kraft zu spüren. So findet im Aikido, passend zu seiner Philosophie, jeder das Richtige.

Alle Infos zum Shumeikan Dojo in Wien auf: http://shumeikan.at

Vielen Dank an den Fotografen für die tollen Shots! Photocredits – Hannes Pirschtl
Photocredits - Hannes Pirschtl5

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