Der Mensch liebt es, schnell zu sein. Nicht umsonst gibt es schließlich den Motorsport, in dem die Autos auf absolute Geschwindigkeit getrimmt werden. Doch dieser Wagen soll die Maßstäbe neu definieren: Der BLOODHOUND SSC soll einen neuen Weltrekord in der höchsten Geschwindigkeit für ein Auto aufstellen!

Allein der Name ist schon respekteinflössend. Aber der Name Bloodhound, zu deutsch Bluthund, ist definitiv verdient! Denn dieser Bluthund bricht Rekorde: Es soll das schnellste Auto aller Zeiten werden. Schneller als jedes LMP1-Auto aus der WEC, schneller als die Formel 1, schneller als eine Pistolenkugel, schneller als ein Düsenjäger in der Luft… Ja, sogar schneller schneller als der Schall. Ganze 1,600 km/h soll der BLOODHOUND SSC erreichen. Unglaublich aber wahr: Dieses Auto hebt nicht ab sondern bleibt bretthart am Boden. Ein wahres Meisterwerk der Ingenieurskunst!

Eckdaten des Wunderkindes
Zusammengebaut wird der Prototyp in Großbritannien, auf einem Industriegelände wenige Kilometer außerhalb von Bristol. Im Team der Designer: Formel 1-Ingenieure, Mathematiker, Wissenschaftler und Astrophysiker, beziehungsweise Raumfahrttechniker. Erfahrungen aus U-Booten oder Zügen fließen ebenso mit in die Arbeit hinein. Der Bloodhound ist ein Kampf mit den Grundgesetzen der Physik – eine Reise ins ungewisse. Der Antrieb ist der gleiche eines Typhoon-Kampfjets (Höchstgeschwindigkeit: 1960,07 km/h) und wird heißer als ein Vulkan, wenn er erst einmal gezündet ist! Die Räder bestehen aus Metall und haben kein bisschen Gummi mehr, der auf dem Boden aufliegt. Sie drehen sich bis zu 170 Mal pro Sekunde! Wer sich darunter nichts vorstellen kann: Das Gefährt hat eine Leistung von unglaublichen 135.000 PS! Das entspricht der Leistung, die 7 Formel-1-Startaufstellungen aufzuweisen haben: Jedoch in einem einzigen Fahrzeug. Knappe 7.800 Kilogramm wird das Fahrzeug voll betankt wiegen, mit einer Länge von 13,47 Metern und einer Höhe von maximal 3 Metern.

Der Fahrer
Als Fahrer für den Rekordversuch hat man sich einen der erfahrensten Royal Air Force-Piloten ausgesucht. Andy Green. Green studierte an der Universität in Oxford, qualifizierte sich aber drei Jahre später als Kampfpilot für die Royal Air Force in Großbritannien. Am Ende des kalten Krieges durfte er einen F4 Phantom in Deutschland fliegen, wurde aber später auch noch in Bosnien, dem Irak, Afghanistan, Libyen und den Falklandinseln eingesetzt. Momentan arbeitet der 51-Jährige im Hauptquartier der Royal Air Force (RAF) und kontrolliert Operationen rund um den Globus. Der Geschwindigkeitsweltrekord beschäftigt ihn aber schon seit einiger Zeit. Bereits 1997 stellte Green den Weltrekord auf: Im Vorgängermodell ThrustSSC brach er die Marke von 1227,93 km/h. Später versuchte er sich ebenfalls am JCB DIESELMAX-Projekt, in dem man versuchte herauszufinden, wie schnell man mit einem Dieselmotor werden kann. Das Ergebnis im Jahre 2006: 563,27 km/h. Des weiteren ist er Yachtkapitän, Fan von Harley-Maschinen oder Skydive-Sprüngen. Ein echtes Multitalent also, welches perfekt für den Bloodhound geeignet zu sein scheint!

Im Cockpit des BLOODHOUND SSC. | Foto:  http://www.bloodhoundssc.com/
Im Cockpit des BLOODHOUND SSC. | Foto: http://www.bloodhoundssc.com/

Ist der Versuch nicht gefährlich?
Allerdings! Und das ist es, was es für alle Beiteiligten so schwer macht und wieso man alle Ingenieurskräfte braucht. Der Bereich um Andy Green herum ist aus Karbon gefertigt: Ein Material, das auch unter schwersten Bedingungen und Ansprüchen nicht nachgibt, und zudem leicht ist. Mittlerweile bauen die meisten Rennserien auf Karbonteile im Auto: Auch der Bloodhound kann darauf nicht verzichten. Es ist die die stärkste Überlebenszelle in der Geschichte des Motorsports. Mehrere Lagen Karbonfieber übereinander, verschweißt mit Aluminum und weitere Lagen Karbon auf der Innenseite des Monocoques ergeben ein Gesamtgewicht von 200 Kilogramm. Mehr kann man dem Fahrer nicht bieten: Denn weiter ist die Wissenschaft noch nicht. Auf dieser Zelle werden während des Versuchs 12 Tonnen Gewicht pro Quadratmeter lasten – Enorme Kräfte wirken auf den Bloodhound. Auch im Cockpit selbst gibt es nur absolute Hightech-Instrumente. Das Lenkrad ist aus als 3D-Druck aus massivem Titanium gefertigt, welches exakt an das Profil der Hände des Fahrers angepasst wurde. Auf dem Lenkrad: Kontrollknöpfe für die Leistungsschübe und Bremsen. Der Pilot ist zu jeder Zeit in der Lage, das Vehikel zu bremsen, auch wenn es ein Elektronikproblem gibt. Dazu werden Raketen benutzt, aber auch ein Bremsschirm, wie bei einem Space Shuttle. Ein weiterer kritischer Punkt: Die Ladung auf den Rädern. Mehr als 5 Jahre wurden darin investiert, das Aerodynamik-Model zu entwickeln, um das Auto auf dem Boden zu halten, und nicht wie ein Flugzeug abheben zu lassen. Wichtig dabei ist, weder Auf- noch Abtrieb zu generieren, sondern das Auto neutral zu halten, um das Maximum an Geschwindigkeit herauszuholen. Da dieser neutrale Bereich sehr klein ist, muss Andy Green immer die Radladungen im Auge behalten: Denn mit den Rädern in der Luft lässt es sich halt schwer fahren. Der Weltrekordversuch ist gefährlich, jedoch ist für die Sicherheit zu jeder Zeit gewährt – Keine Sorge!

Und wann beginnt der Rekordversuch?
Das Auto befindet sich aktuell noch in der Konstruktionsphase. Aber in rund einem Jahr ist der Raketenwagen rollbereit, schon in 90 Tagen wird das Chassis zusammengesetzt. 2015 wird die komplette Mannschaft dann in den Norden Südafrikas fliegen und dort einen Vor-Rekordversuch ausführen. Auf einem ausgetrockneten Flussbett, dem Hakskeen Pan, soll dann die Strecke aufgebaut werden. Ein Team aus 300 Leuten bereiten bereits jetzt schon die Piste vor, in dem sie 600 Tonnen Steine und Sand von der Fläche schieben und sie sauber halten. Insgesamt geht es dann rund 19 Kilometer auf der ebenen Strecke für den Bloodhound geradeaus. Nach einem ersten Versuch Ende 2015, bei dem erst einmal alle Systeme überprüft werden, und man umgerechnet nur rund 1287 Stundenkilometer erreichen wird (Und damit schon einmal provisorisch den Weltrekord bricht). 2016 werden dann härtere Geschütze aufgefahren: Sobald alle Teile des Autos zusammen arbeiten, wird der „richtige“ Antrieb eingebaut und man versucht sich an den 1,600 km/h, oder 1000 Meilen pro Stunde. Das Projekt nimmt Ausmaße an, die sich keiner vorher hätte erträumen können!

Das Megaprojekt BLOODHOUND SCC geht in die heiße Phase! Wir dürfen gespannt sein, was Andy Green und sein Team für uns im Herbst/Winter 2016 für uns bereit halten.

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